Neues Insektenhotel im Bürgerpark Pr. Oldendorf: Praxisprojekt liefert wertvolle Erkenntnisse für den Artenschutz
- wildfoodselfmade

- 24. Juli
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Harlinghausen / Pr. Oldendorf – Im Bürgerpark Pr. Oldendorf, Ortsteil Harlinghausen, steht seit Kurzem ein neues Insektenhotel, das nicht nur als Nisthilfe für Wildbienen und andere Insekten dient, sondern zugleich Teil eines praxisnahen Projekts zur Förderung der Artenvielfalt ist. Errichtet wurde die Anlage von Christian Frobieter, der seine Arbeiten und Naturprojekte regelmäßig auf seinem Instagram-Kanal oder seiner Homepage „wildfood-selfmade“ präsentiert.
Das Besondere an dem Projekt: Im Insektenhotel wurden bewusst verschiedene Arten von Nisthilfen integriert. Ziel ist es, über einen längeren Zeitraum zu beobachten, welche Bauweisen und Materialien von Wildbienen und anderen Insekten besonders gut angenommen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen später als praktische Hilfestellung für interessierte Naturschützer, Gartenbesitzer und Kommunen dienen.
„Viele Insektenhotels sehen zwar dekorativ aus, erfüllen aber nicht immer die Anforderungen der Tiere. Deshalb wollte ich unterschiedliche Nistmöglichkeiten testen und dokumentieren, welche tatsächlich genutzt werden“, erklärt Christian Frobieter.
Nicht jedes Insektenhotel hilft den Insekten
Viele handelsübliche Insektenhotels enthalten Materialien wie Tannenzapfen, Rinde, Holzwolle oder Lochziegel. Diese Elemente werden zwar häufig verbaut, sind für die meisten Wildbienen jedoch nahezu wertlos. Entscheidend sind stattdessen fachgerecht gebaute Nisthilfen aus naturbelassenem Hartholz, Bambus oder Schilf.
Besonders wichtig ist dabei die Verarbeitung. Sämtliche Bohrlöcher und Schnittkanten müssen sauber, glatt und splitterfrei ausgeführt werden. Scharfe Kanten können dazu führen, dass sich die Tiere beim Ein- und Ausfliegen die empfindlichen Flügel beschädigen. Dieser Punkt gilt unter Fachleuten als eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale eines Insektenhotels.
Wer Gitterziegel oder ähnliche Materialien verwendet, sollte vorhandene Grate und scharfe Kanten sorgfältig mit einer Feile entfernen, damit keine Verletzungsgefahr besteht.
Der richtige Standort entscheidet über den Erfolg
Ein hochwertig gebautes Insektenhotel wird nur dann angenommen, wenn auch der Standort stimmt. Die Nisthilfe sollte an einem vollsonnigen, möglichst nach Süden oder Südosten ausgerichteten Platz aufgestellt werden. Zudem ist ein Schutz vor Wind und Schlagregen wichtig.
Ebenso entscheidend ist das Nahrungsangebot. Ohne ausreichend Blüten, Pollen und Nektar in der unmittelbaren Umgebung bleibt selbst das beste Insektenhotel oft unbesiedelt. Daher empfiehlt es sich, heimische Wildblumen und andere insektenfreundliche Pflanzen in der Nähe anzusiedeln.
Überraschender Fakt: Die meisten Wildbienen benötigen gar kein Insektenhotel
Was viele Menschen nicht wissen: Rund 75 Prozent der heimischen Wildbienenarten nisten im Boden. Für diese Arten sind offene, sonnige und möglichst unversiegelte Bodenflächen deutlich wichtiger als Nisthilfen aus Holz oder Schilf.
Insektenhotels unterstützen daher vor allem die Arten, die natürliche Hohlräume in Pflanzenstängeln, Totholz oder ähnlichen Strukturen besiedeln. Als alleinige Maßnahme reichen sie für einen umfassenden Insektenschutz nicht aus.
Dauerhafte Nisthilfe statt kurzfristiger Unterkunft
Entgegen einer weit verbreiteten Annahme handelt es sich bei einem Insektenhotel nicht um eine vorübergehende Unterkunft. Die Nisthilfen dienen den Tieren als Brutstätte. Die darin abgelegten Eier entwickeln sich über viele Monate, sodass die Brut häufig bis zu einem Jahr in den Röhren verbleibt.
Bei fachgerechter Bauweise, guter Pflege und einem wettergeschützten Standort können die Nisthilfen über mehrere Jahre hinweg genutzt werden, bevor sie durch Witterungseinflüsse ausgetauscht werden müssen.
Schutz vor Fressfeinden unerlässlich
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Sicherung gegen Fressfeinde. Besonders im Winter und Frühjahr sind die Brutkammern für Vögel wie Meisen oder Spechte sowie für Mäuse eine leicht zugängliche Nahrungsquelle.
Um die Brut wirksam zu schützen, sollte ein Drahtgitter mit einer Maschenweite von etwa 19 bis 25 Millimetern in einem Abstand von mindestens drei Zentimetern vor den Niströhren angebracht werden. Dadurch bleiben die Nistgänge für die Insekten frei zugänglich, während Räuber die Brutzellen nicht erreichen können.
Beitrag zur Artenvielfalt im Bürgerpark
Mit dem neuen Insektenhotel leistet der Bürgerpark Pr. Oldendorf in Harlinghausen einen weiteren Beitrag zum Schutz heimischer Insektenarten. Gleichzeitig soll das Projekt Besucherinnen und Besucher dazu anregen, sich intensiver mit den tatsächlichen Bedürfnissen von Wildbienen und anderen Bestäubern auseinanderzusetzen.
Die laufenden Beobachtungen der verschiedenen Nistangebote werden künftig zeigen, welche Bauweisen besonders erfolgreich sind. Die Ergebnisse sollen anschließend anderen Naturfreunden als praktische Orientierung beim Bau eigener Insektenhotels dienen.
In Zukunft wird noch ein QR-Code folgen, über den sich Besucher über dieses Vorhaben informieren können.
Weitere Informationen und Einblicke in das Projekt gibt es auf Instagram unter „wildfood_selfmade“ oder über https://www.wildfood-selfmade.de/




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